DAS SIND WIR
Wir haben es nicht geplant. Wir haben es nicht kommen sehen. Und doch haben wir unser gesamtes Leben dafür gearbeitet.
HALLO, WIR SIND MUTTER, TOCHTER - UND BUSINESSPARTNER
Diese Tatsache ist, sagen wir mal, durchaus eine Herausforderung. Aber Sie ist auch wunderschön. Es heißt nicht umsonst "Wie die Mutter, so die Tochter". Für uns beide fängt ein Tag nur gut an, wenn Kaffee dabei ist, haben wir einmal begonnen zu reden, fällt es uns schwer wieder aufzuhören und bei schnulzigen Filmen brauchen wir gleich zwei Pakete Taschentücher. Trotzdem haben wir unterschiedliche Blickwinkel, gehen anders an die Dinge heran und unsere Sichtweisen enthüllen auch für uns zuweilen neue, überraschende Facetten.
Wir sind Mutter, Tochter - und Fotografinnen. Wir sind uns ähnlich, und doch grundverschieden. Grade deswegen fotografieren wir so gut zusammen. Deswegen, und natürlich weil wir es lieben, das Fotografieren.

INGA KRETSCHMER
Kennen Sie das?
Da ist dieser innerste Wunsch, der sich in ihrem Herzen einnistet. Der sich von dort aus scheinbar unbemerkt ausbreitet in jede Faser ihres Körpers und ohne, dass Sie etwas dagegen tun können bestimmt er ihre Entscheidungen. Er ist nicht mehr wegzudenken aus Ihrem Leben, dabei wussten sie anfangs gar nicht, dass es ihn gibt. Zunächst macht er sich nur selten bemerkbar, doch nach und nach können Sie nicht mehr anders: Sie müssen ihm folgen.
So ging es mir mit der Fotografie. Ich gehörte nie zu denen, die schon im Kindergarten die Kamera ihrer Eltern klauten oder sich als Teenager die Nächte in der Dunkelkammer um die Ohren schlugen. Nein, meine Beziehung zur Fotografie hat sich langsam entwickelt. Sie ist stetig gewachsen und ehe ich mich versah war da dieser Wunsch, der sich in meinem Herzen einnistete und sich von dort aus scheinbar unbemerkt ausbreitete: Ich möchte Fotografin sein.
Jetzt bin ich Fotografin, und diese Tatsache lässt mich noch heute jeden Tag ein bisschen staunen. Ich habe meinen Traumjob gefunden. Oder er hat mich gefunden. Denn vielleicht, hätte ich früher gewusst, dass die Fotografie einen solch großen Teil meines Lebens einnehmen würde, dann hätte ich mir als Teenager mit Sicherheit die Nächte in der Dunkelkammer um die Ohren geschlagen.
ANNETTE KRETSCHMER
Ich bin Annette Kretschmer. Fotografin und Mutter. Beides mit Leidenschaft.
Eines meiner schönsten Geschenke in meiner Kindheit war eine Kleinbildkamera, die mein Vater mir ans Herz legte.
Ich war aufgeregt und hatte das sichere Gefühl etwas überaus Kostbares in der Hand zu halten.
Wir legten gemeinsam einen Film ein und mein Vater ermahnte mich: „Filme sind teuer. Wähle deine Bilder sorgsam aus!“.
So verbrachte ich die meiste Zeit damit meine Bilder zu suchen. Ich wollte 24 großartige Bilder auf den Film bannen. In unsere winzigen Waschküche hatte ich mein kleines Labor. Es brauchte viel Zeit um alles aufzubauen und nachher zur Zufriedenheit meiner Mutter wieder zu säubern. Wenn dann aber nur noch das kleine Rotlicht brannte, ich die Sekunden der Belichtung zählte und die ersten Konturen meines Bildes im Entwicklerbad erschienen war ich begeistert.
Später habe ich diese frühe Liebe aus den Augen verloren. Ich weiß gar nicht genau warum. Erst mit der Geburt meiner Tochter Inga war sie wieder da. Sie war spürbar in all’ diesen Momenten voller Freude, Sinnlichkeit und Liebe. Doch jetzt musste ich meine Bilder nicht mehr suchen. Sie waren einfach da. Die Fotos, in denen die Gefühle greifbar waren, waren meine liebsten. Stundenlang konnte ich ein Bild betrachten. Es war genau diese Liebe zum Augenblick, die später mein Beruf wurde. Manchmal zieht das Leben an uns vorüber und wir sehen es nicht. Doch es ist da – für jeden von uns. Ich habe Glück: Durch den Sucher meiner Kamera kann ich es sehen. Auf meinen Bildern und immer öfter auch in meinem eigenen Leben. Die Wahrheit liegt im Augenblick. Davon bin ich überzeugt.